Lebenshilfe Niedersachsen fordert zum Schuljahresbeginn mehr Transparenz und eine verlässliche Perspektive.

Medienmitteilung der Lebenshilfe Niedersachsen vom 11. August 2026

Fehlende Daten zur Nichtbeschulung von Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen – Lebenshilfe Niedersachsen fordert zum Schuljahresbeginn mehr Transparenz und eine verlässliche Perspektive.

Hannover (11.08.2026). Zum Beginn des neuen Schuljahres stellt die Lebenshilfe Niedersachsen eine Frage in den Mittelpunkt, auf die die Niedersächsische Landesregierung selbst keine Antwort geben kann: Wie viele schulpflichtige Kinder und Jugendliche werden derzeit in Niedersachsen nicht oder nur eingeschränkt beschult?

Auf eine entsprechende Kleine Anfrage des Abgeordneten Christian Fühner (CDU) im Niedersächsischen Landtag antwortete die Landesregierung im Juni 2026: „Hierzu liegen der Landesregierung keine Daten vor.“ Auch Erkenntnisse über die Dauer von Nichtbeschulungsphasen liegen der Landesregierung nicht vor.

Wir wissen viel über Schülerinnen und Schüler, die an allgemeinen Schulen, Förderschulen oder Tagesbildungsstätten beschult werden. Aber wir wissen offenbar nicht, wie viele schulpflichtige Kinder und Jugendliche derzeit nicht oder nur eingeschränkt am Unterricht teilnehmen. Auch fehlen empirische Daten zu den Gründen. Bevor wir über die Weiterentwicklung unseres Bildungssystems sprechen, sollten wir wissen, wie die Realität aussieht“, sagt Frank Steinsiek, Landesgeschäftsführer der Lebenshilfe Niedersachsen.

Aus Sicht der Lebenshilfe Niedersachsen gehört deshalb diese Frage auf die politische Tagesordnung. Die Landesregierung selbst hat hierzu bislang keine belastbaren Daten. Die Lebenshilfe Niedersachsen fordert daher eine bessere Datenlage zur tatsächlichen Beschulung.

Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung. Deshalb müssen wir wissen, ob dieses Recht in Niedersachsen tatsächlich für alle Schülerinnen und Schüler eingelöst wird. Daten erheben und daraus die richtigen Konsequenzen ziehen. Das wäre für mich ein wichtiger Auftrag zum Beginn dieses Schuljahres“, betont Frank Steinsiek.

Tagesbildungsstätten vor ungewisser Zukunft

Eine besondere Bedeutung hat diese Frage auch mit Blick auf die Tagesbildungsstätten in Niedersachsen. Hier erfüllen derzeit rund 3.000 Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf im Schwerpunkt geistige Entwicklung ihre Schulpflicht.  

Mit der Änderung des Niedersächsischen Schulgesetzes vor der Sommerpause wurde der Weg für eine Weiterentwicklung der Tagesbildungsstätten zu anerkannten Schulen in freier Trägerschaft eröffnet. Damit wurden wichtige rechtliche Voraussetzungen geschaffen. Die konkrete Ausgestaltung und die Zukunft der einzelnen Einrichtungen sind damit jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Die Änderung des Schulgesetzes war ein wichtiger Schritt. Sie ist aber nicht das Ende, sondern der Startschuss für einen Prozess. Viele Fragen sind weiterhin offen. Kinder und Jugendliche, Eltern und Angehörige, Mitarbeitende und Träger der Tagesbildungsstätten brauchen nun von Land und Kommunen weitere Zusagen, wie der angekündigte Entwicklungsprozess konkret ausgestaltet wird und welche Perspektive die Einrichtungen, die dort tätigen Fachkräfte und vor allem die Kinder und Jugendlichen und ihre Familien erhalten“, erklärt Steinsiek.


Die Diskussion um die Zukunft der Tagesbildungsstätten zeigt, wie wichtig passgenaue Bildungsangebote für Kinder mit Behinderung sind. Gleichzeitig fehlen Informationen über Kinder und Jugendliche, die aus anderen Gründen nicht regelmäßig am Unterricht teilnehmen. Für eine Weiterentwicklung des Schulsystems braucht Niedersachsen einen Gesamtblick auf alle Kinder, damit deren Bildungsbiografien gefährdet werden.

Hier gelangen Sie zur „Kleinen Anfrage“ des Abgeordneten Christian Fühner (CDU) und der Antwort der Landesregierung.

So erreichen Sie die Lebenshilfe Niedersachsen:

Jennifer Hoyer

Lebenshilfe Landesverband Niedersachsen e. V., Nordring 8 G | 30163 Hannover
Tel.: 0511 909 257 00   

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